Mittlerweile war ich schon mehrere Jahre unterwegs, immer wieder zwischen Düsseldorf und Spanien, hin und her wie ein pendelndes Herz zwischen zwei Welten.

  • In Düsseldorf hatte ich meine kleine Wohnung, eng, gemütlich, vertraut, während ich in Spanien eine etwas größere Bleibe bewohnte, die fast so etwas wie ein zweites Zuhause geworden war.

Es war die Zeit, in der viele Fahrerinnen und Fahrer mit Familie zu Weihnachten zu Hause waren, und auf den großen Fernstraßen Europas herrschte plötzlich eine ungewohnte, fast feierliche Ruhe.

  • Mein Name ist Jakob Diener, ich bin freiberuflicher Redakteur, Journalist und Kraftverkehrsmeister!
  • Die Nächte wurden weicher, die Autobahnen leerer, und manchmal hatte man das Gefühl, die ganze Welt würde für ein paar Tage langsamer atmen.

“Der Ruf des Großmarkts”

  • Natürlich nervte mein Chef, wie üblich, und drängte mich dazu, endlich zu laden.
  • Es ging wieder einmal zum Großmarkt nach Düsseldorf, wo ich das für die Stadt so typische Düsseldorfer Altbier aufnehmen sollte.

Eigentlich hatte ich dafür in diesem Moment überhaupt keinen Kopf, denn gerade zu dieser Zeit hatte ich eine neue Perle kennengelernt, und mein Herz schlug noch ganz unruhig von ihrem Lächeln.

Mit knurrenden Zähnen und etwas Wut im Bauch fuhr ich also zum Großmarkt, ließ den Ladevorgang über mich ergehen und machte mich dann mit meinem 40-Tonner Kühler auf die lange Reise nach Süden, wie immer bis nach Alicante.

“Die Route in den Süden”

  • Die Strecke führte mich wie so oft über die A3 hinaus aus Düsseldorf, vorbei an Leverkusen und Köln, weiter Richtung Aachen, ehe ich bei Aachen-Laurensberg über die Grenze rollte.
  • In Belgien nahm ich die E40, die sich endlos durch die winterlichen Felder schlängelte, bis ich bei Lille in Frankreich auf die A1 wechselte.

Von dort führte der Weg weiter über die A26 Richtung Paris, dann über die A5 und später die A6 in Richtung Lyon.

  • Hinter Lyon nahm ich die A7, die legendäre Autoroute du Soleil, die mich bis zur glitzernden Mittelmeerküste brachte.
  • Von dort ging es auf die A9 entlang der spanischen Grenze, und hinter dem Übergang La Jonquera wurde sie zur AP-7.
  • Die AP-7 führte mich wie ein vertrauter alter Freund entlang der Küste hinunter, vorbei an Girona, Barcelona, Tarragona und Valencia, bis schließlich das vertraute Schild „Alicante“ auftauchte.

Mit einem 40-Tonner-Kühler darf man maximal acht Stunden reine Lenkzeit am Tag absolvieren.

  • Das bedeutete für die gesamte Tour rund zweieinhalb Tage.
  • Meine erste größere Pause legte ich nach etwa 480 Kilometern ein, irgendwo hinter Reims, wo die Nacht dunkel auf den Rastplatz fiel.

Die zweite Etappe brachte mich bis südlich von Lyon, rund 850 Kilometer später, wo ich müde den Motor abstellte und der warme Duft Südfrankreichs durch die Lüftung strich.

  • Die letzte Tagesfahrt führte mich dann über die Pyrenäen und entlang der spanischen Küste bis nach Alicante, noch einmal knapp 700 Kilometer, die mir aber jedes Mal wie ein flüchtiger Augenblick vorkamen, weil ich wusste, was mich am Ende erwartete.

“Abladung in der kleinen Klitsche:

  • Im Industriegebiet von Alicante, hinter ein paar staubigen Hallen, lag diese kleine Klitsche, in der ich regelmäßig abladen musste.

Kaum war ich fertig, zog es mich wie magisch weiter in das kleine Lokal „Zagálico“, wo wir schon so oft gesessen hatten.

  • Und wie jedes Mal war sie da – die hübsche Spanierin mit dem funkelnden Blick und dem Lächeln, das einem warm durch den Bauch ging.

Sie wurde von Mal zu Mal freundlicher, war mir inzwischen vertraut, und wenn ich mich umdrehte, gab es gelegentlich einen kleinen, frechen Klaps auf den Po.

  • Ein Ritual, das mich jedes Mal erwischte wie ein Blitzschlag aus reiner Lebensfreude.

“Eine Küche voller Aromen”

  • Ich bestellte mir wie immer mein heißgeliebtes Zwiebelfleisch, und die ältere Dame aus der Küche kam wie gewohnt heraus, um mich zu begrüßen.

Es war zu einem Ritual geworden, dass ich erst sie, dann den Duft, dann das Essen begrüßte.

  • Zwiebelfleisch entsteht meist aus Schweinenacken oder Schweineschulter, zart, saftig, robust, und die Zwiebeln dazu sind große, weiße spanische Zwiebeln, die süßer sind als unsere deutschen.
  • In den Sud gehören Lorbeerblätter, schwarzer Pfeffer, Paprika Dulce, ein Hauch Knoblauch, ein kräftiger Schuss Rotwein und manchmal ein Hauch Thymian.

Die ältere Dame zeigte mir das Fleisch, das eingelegt werden musste.

  • Schweinenacken braucht bei mittlerer Hitze gut zweieinhalb Stunden, damit es innen saftig bleibt und außen zart karamellisiert.
  • Die Zwiebeln werden langsam geschmort, bis sie fast zerfallen, und alles zusammen ergibt einen Duft, der einen sofort an den Arm nimmt.

Der kleine gemischte Salat dazu war typisch spanisch:

  • Ein knackiger Kopfsalat, Tomaten voller Sonne, rote Zwiebeln, ein winziger Schuss Olivenöl, ein Tropfen Essig, ein paar Oliven und manchmal ein Stück Paprika.
  • Einfach, aber vollkommen.

“Die romantische Zubereitung”

  • Sie hatte bereits ein Stück Fleisch fertig vorbereitet, das tief im würzigen Sud lag, weich und bereit für den Moment, in dem es auf meinem Teller landen würde.
  • Die Zubereitung von Zwiebelfleisch dauert, wenn man es mit Liebe macht, rund drei Stunden.
  • Erst das Einlegen, dann das langsame Schmoren, und am Ende dieses Aufbrechen des Fleisches mit der Gabel – ein Moment, der an Romantik kaum zu übertreffen ist, wenn man versteht, was Essen für die Seele bedeutet.

“Die süße Maus und der lange Kuss”

  • Ich machte mich wieder auf den Weg zu meinem Tisch und begegnete der jungen Dame erneut.
  • Und wieder war da der Klaps.

Und tief in mir wuchs dieser Gedanke:

  • Sollte es so weitergehen in den kommenden Wochen und Monaten, dann nehme ich sie irgendwann einfach in den Arm, halte sie fest und schenke ihr einen langen, romantischen Kuss – und ja, der Klaps auf den Po wird dann sicherlich erwidert.

“Das perfekte Abendessen”

  • Nach kurzer Zeit brachte sie mir das Essen.

Sie hatte alles vorbereitet:

  • Ein kleines Platzdeckchen, Messer und Gabel, und die Rotweinflasche – ohne Etikett, private Abfüllung, intensiver und voller als die Weine aus den Großmärkten, die es in Alicante und Umgebung in den späten Achtziger Jahren gegeben hat.

Sie stellte mir das Essen hin, und es sah einfach göttlich aus.

  • Ich genoss jeden einzelnen Bissen, und der Wein passte dazu wie die Faust aufs Auge.

Der Preis war lächerlich günstig. Acht D-Mark – und das entsprach im Jahr 1987 ungefähr 640 Peseten.

  • Ich staunte, schüttelte den Kopf und lachte leise, weil diese Welt manchmal viel schöner ist, als man denkt.

“Eine Nacht voller Leben”

  • Ich blieb noch eine Weile sitzen und beobachtete das Treiben draußen in der Seitengasse.

Es war unglaublich, was da noch los war.

  • Die Kinder spielten Fußball, die Eltern hatten den Wasserschlauch vor die Tür gelegt, und obwohl es spät war, herrschte eine Wärme, die viel mehr mit Lebensfreude als mit Temperatur zu tun hatte.

Ich verabschiedete mich später von beiden Frauen.

  • Die ältere Dame nahm mich wie immer in den Arm, und die Kellnerin küsste mich diesmal auf beide Wangen.
  • Ob ich dabei rot wurde, weiß ich nicht, denn ein Spiegel war nirgends.

Draußen spielte ich noch etwas mit den Kindern Fußball.

  • Aus reiner Neugier hielt ich die Hand in das Wasser aus dem Schlauch – lauwarm, wie die Luft, wie der ganze Abend.

Und trotz allem, was mein Chef manchmal veranstaltete, freute ich mich schon jetzt auf die nächste Tour vom Düsseldorfer Großmarkt nach Alicante.

  • Nicht nur wegen des Essens.
  • Nicht nur wegen der Wärme.

Sondern wegen der süßen Maus, die mich vielleicht bald in die Arme schließen würde – und ich sie auch.

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One thought on “Zwischen Düsseldorf und Spanien!

  1. Oh, Meier.
    Wenn das kein Heimweh ist, dann verstehe ich die Welt nicht mehr.
    Es ist so, als wenn Du es grad erlebt hast.
    Und ich merke, wie sehr Dein Herz weint.

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