Weihnachten auf den Straßen Europas.
“Der Anfang einer besonderen Weihnachtsreise”
- Ich war wieder unterwegs im internationalen Fernverkehr, und als ich in dieser festlichen Jahreszeit meinen Motor startete, wurde mir bewusst, dass es inzwischen mein viertes Jahr auf den Straßen Europas war.
Der Duft von Tannengrün mischte sich mit dem vertrauten Klang des Motors, während ich vom Großmarkt in Düsseldorf losfuhr.
- Mein Name ist Jakob Diener, ich bin freiberuflicher Redakteur und Journalist, aber auch Kraftverkehrsmeister.
Auch diesmal führte mich meine Tour hinunter nach Spanien, bis nach Alicante, wo meine Ladung erwartet wurde.
- Jedes Jahr, wenn ich in Richtung Süden starte, spüre ich diese besondere Faszination, die Spanien auf mich ausübt, und auch diesmal erfüllte mich die Vorfreude wie ein kleines weihnachtliches Wunder auf Rädern.
“Der Weg aus Deutschland hinaus in die Ferne”
- Die Reise begann im Düsseldorfer Großmarkt und führte mich zunächst über die A3 hinaus aus Nordrhein-Westfalen.
- Weiter ging es über die A1 und später die A48, bevor ich Luxemburg erreichte.
Von dort rollte mein 40-Tonnen-Kühler durch Frankreich über die A31, die A6 und schließlich die A7, bis ich auf die A9 wechselte und den Süden Frankreichs durchquerte.
- Hinter Perpignan überquerte ich die Grenze nach Spanien und folgte der AP-7 entlang der Mittelmeerküste.
Girona, Tarragona, Valencia – sie alle zogen vorbei, bis ich schließlich den Hafen von Alicante erreichte.
- Die Strecke betrug ungefähr 1.900 Kilometer, und mit voller Konzentration, wenigen Pausen und guter Verkehrslage kommt man mit einem schweren Lkw auf rund 28 Stunden reine Fahrzeit.
- Das ist eine Reise, die man spürt – im Rücken, in der Konzentration und tief im Herzen.
“Das Leben hinter dem Lenkrad eines 40-Tonners”
- Unterwegs traf ich wie so oft Kolleginnen und Kollegen an verschiedenen Rasthöfen, und wir nutzten die kurzen Pausen für Gespräche und ein wenig Aufmerksamkeit füreinander.
- Die Pflege unterwegs ist etwas, das viele unterschätzen, denn wer noch nie stundenlang hinter dem Lenkrad eines 40-Tonners gesessen hat, kann kaum nachvollziehen, welche Verantwortung jede Fahrerin und jeder Fahrer trägt.
Wenn in Deutschland jemand meint, diese Arbeit sei nicht schwer, dann hat er keine Ahnung von der Realität.
- Wir sitzen nicht gemütlich herum und schauen aus dem Fenster auf grüne Bäume.
- Wir arbeiten mit höchster Konzentration – jede Sekunde, jeden Kilometer, bis die Tour geschafft ist und wir wieder sicher zurück nach Hause kommen.
“Ankunft in Alicante und das Wiedersehen in der kleinen Bar „Zagálico“”
- Als ich den Hafen von Alicante erreichte und den Kühler entladen hatte, meldeten wir uns über den CB-Funk, um abzusprechen, wo wir uns treffen würden.
- Unser Ziel war wieder die kleine Bar Zagálico, in der ich zuvor zwei Mal gewesen war und genau wusste, welch fantastische Küche uns erwartete.
- Auch wenn es manchmal seltsam klingt, wenn ich von meinem damaligen Unternehmen spreche – es war das Unternehmen meines Chefs, und der Zusammenhalt dort war immer etwas Besonderes.
- Wir trafen uns zuerst an der Theke, tranken Rotwein und plauderten für zwei Stunden, während die Weihnachtsstimmung in der Luft lag und die Wärme des Ortes uns umfing.
“Die Begegnung mit der spanischen Gastgeberin:
- Die junge hübsche Spanierin, groß, schlank, mit langen schwarzen Haaren, dunklen Augen und einer umwerfenden Ausstrahlung, war wieder da.
- Ihr Lächeln war ansteckend, und wenn sie sich von uns entfernte, konnte man ihren perfekten Pfirsich-Po bewundern, der fast schon ein Kunstwerk war.
Sie rief uns schließlich an den Tisch und der Abend nahm seinen weihnachtlichen Lauf.
- Ich war derjenige, der diesmal bestellen durfte – und natürlich auch bezahlen musste.
“Die Weihnachtsgans mit spanischer Seele”
- Ich entschied mich für eine knusprige Weihnachtsgans, passend zur Jahreszeit, und einen guten Rotwein dazu.
Eine Gans dieser Art braucht Geduld:
- Etwa zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden Bratzeit, damit sie innen saftig und außen knusprig wird.
- Gewürzt wird sie traditionell mit Salz, Pfeffer, Rosmarin, Thymian und Lorbeerblättern, damit das Fleisch ein intensives Weihnachtsaroma entwickelt.
Die Tochter nahm mich an die Hand und führte mich in die Küche, wo ihre Mutter – eine rund 80- bis 90-jährige Dame – bereits wartete.
- Mit ruhiger Hand zeigte sie mir, wie man die Gans vorbereitet, würzt und brät.
- Es war eine liebevolle kleine Lehrstunde, eine Mischung aus Tradition, Leidenschaft und jahrzehntelanger Erfahrung.
“Das Festessen in der kleinen Bar”
- Als ich zurück an den Tisch kam, unterhielten wir uns ausgelassen, bis die Weihnachtsgans schließlich serviert wurde.
- Es war ein Anblick, der uns allen wie Schuppen von den Augen fiel – saftig, knusprig, goldbraun, angerichtet auf tiefen Tellern mit weihnachtlichem Dekor.
Ich schnitt das erste Viertel für Maria heraus, das zweite für Josef, und wir lachten wie jedes Jahr über unseren kleinen Weihnachtswitz ( wann kommt der kleine Jesus) die wir nur in dieser Zeit machten.
- Ich tranchierte die Gans in vier perfekte Stücke und wir alle waren so begeistert, dass wir beschlossen, uns im nächsten Jahr wieder hier zu treffen – und wenn möglich sogar viele Jahre hintereinander.
“Ein langer Abend voller Wärme und Lachen”
- Nach dem Essen saßen wir noch rund zwei Stunden zusammen, tranken weiter Rotwein und genossen die weihnachtliche Stimmung.
Beim Abschied umarmte mich die Tochter der Köchin herzlich, wie es in Spanien üblich ist, mit einem Küsschen links und einem rechts.
- Ich wurde rot, und die drei anderen machten sich natürlich einen Spaß daraus, was die Stimmung noch fröhlicher machte.
“Der Hafen, CB-Funk und das Lachen bis in die Nacht”

- Wir gingen zu Fuß hinunter in den Hafen und setzten uns in unsere Fahrerhäuser, wo wir uns noch lange über den CB-Funk unterhielten.
Irgendwann hatten die beiden Fahrerinnen so viel Wein intus, dass sie kaum noch ein Wort herausbrachten, und wir Jungs konnten endlich lästern, was uns einen Heidenspaß bereitete.
- Doch auch unsere Kräfte ließen irgendwann nach, und wir zogen die Gardinen zu, ließen einen kleinen Spalt an den Türen offen für frische Luft und sanken in die Ruhe der Nacht.
“Der Blick in die Zukunft und das Herz, das in Spanien bleibt”
- Als ich später in meinem Bett lag, dachte ich daran, wie sehr mir Spanien ans Herz gewachsen ist.
- Die Menschen, die Wärme, die Abende wie dieser.
- Ich spürte tief in mir, dass ich irgendwann vielleicht wirklich den Schritt wagen und mir hier unten eine kleine Wohnung nehmen sollte.
Auch wenn Alicante etwas weit im Süden liegt – mein Herz schlägt mittlerweile mit jeder Tour ein Stück mehr für dieses Land.
- Und während ich mich darauf freute, wieder nach Düsseldorf zurückzukehren, wusste ich doch, dass der Ruf der spanischen Küste mich nie mehr loslassen wird.

Zwischen den Zeilen merkt man, wie sehr Du diese Zeit vermisst und das Heimweh Dich plagt.